Jetzt zeigen die Taliban ihr wahres Gesicht


Ein weiterer Rückschlag für Frauen in Afghanistan? Ein Ministerium des Landes fordert, ihnen die Arbeit bei NGOs zu verbieten. Das stößt auf heftige Kritik. Ein Arbeitsverbot für Frauen bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Afghanistan hat international Besorgnis ausgelöst. UN-Generalsekretär António Guterres sei “zutiefst beunruhigt” über die angebliche Anordnung der radikalislamischen Taliban, teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric gestern in New York mit.”Diese Entscheidung wird die Arbeit zahlreicher Organisationen untergraben, die im ganzen Land den Schwächsten helfen, vor allem Frauen und Mädchen.” Die Vereinten Nationen und ihre Partner, einschließlich nationaler und internationaler NGOs, unterstützten derzeit mehr als 28 Millionen Afghanen, die für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhingen.Der UN-Generalsekretär betone erneut das Recht aller Frauen, Teil der berufstätigen Bevölkerung zu sein und so zum Gemeinwohl beizutragen, so der Sprecher weiter.

Taliban geht es angeblich um Hidschab

Zuvor hatte das afghanische Wirtschaftsministerium gestern in einem Schreiben gefordert, Mitarbeiterinnen aller nationalen und internationalen NGOs bis auf Weiteres von ihrer Arbeit zu suspendieren. Grund dafür sei, dass die Frauen die Vorschriften der Taliban-Führung in Bezug auf das Tragen eines Hidschabs, also eines Kopftuchs, nicht einhielten. Komme eine Organisation dieser Anordnung nicht nach, werde ihre Lizenz entzogen, hieß es in dem Schreiben.US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich gestern Abend (Ortszeit) auf Twitter “zutiefst besorgt”. Dieses Verbot für Frauen werde die Versorgung mit humanitärer Hilfe in Afghanistan durcheinanderbringen. “Frauen spielen bei humanitären Hilfsaktionen weltweit eine zentrale Rolle”, so Blinken. Eine solche Entscheidung könnte verheerende Folgen für die Menschen in Afghanistan haben.Die UNO kündigte an, sie werde die Taliban um eine Erklärung zu der Anordnung bitten. Am Sonntag ist außerdem ein Treffen hochrangiger UN-Repräsentanten mit Vertretern Dutzender NGOs geplant, um das weitere Vorgehen in Afghanistan zu besprechen. Aus NGO-Kreisen hieß es, bei dem Treffen werde über eine Einstellung aller Hilfsmaßnahmen im Land beraten.

“Klarer Bruch humanitärer Grundsätze”

Die Europäische Union verurteile das jüngste Verbot der Taliban aufs Schärfste, twitterte EU-Kommissionssprecherin Nabila Massrali in der Nacht zum Sonntag. Es handle sich um einen “klaren Bruch humanitärer Grundsätze”. Die EU bewerte derzeit den Einfluss, den das Verbot auf seine Hilfe für Afghanistan haben werde.Als Reaktion auf das von den Taliban geforderte Arbeitsverbot für Frauen bei NGOs stellten mehrere Hilfsorganisationen in dem Land ihre Arbeit ein. “Wir können Kinder, Frauen und Männer in dringender Not nicht ohne unsere weiblichen Angestellten erreichen”, teilten die Hilfsorganisationen Care, Save the Children und die Norwegische Flüchtlingshilfe am Sonntag gemeinsam mit.”Während wir über diese Ankündigung Klarheit gewinnen, setzen wir unsere Programme aus und fordern, dass Frauen und Männer gleichermaßen weiter lebensrettende Unterstützung in Afghanistan leisten können.” Von der Forderung seien Tausende Arbeitsplätze inmitten einer enormen Wirtschaftskrise betroffen.

Schlimme Wirtschaftskrise in Afghanistan

Millionen Menschen in Afghanistan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit der Machtübernahme der Taliban im August vergangenen Jahres hat sich die Wirtschaftskrise im Land verschlimmert. Die Taliban hatten vergangenes Jahr zunächst angekündigt, weniger hart vorgehen zu wollen als während ihrer ersten Herrschaft von 1996 bis 2001. Inzwischen aber wird die Miliz immer radikaler.Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Islamisten Frauenrechte massiv eingeschränkt. Viele Frauen durften nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen zurückkehren. Mädchen und Frauen sind mittlerweile vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Am Dienstag haben die Taliban Frauen von allen Hochschulen verbannt. Frauen, die für ihre Rechte protestierten, wurden in der Vergangenheit immer wieder, teils auch über mehrere Wochen, festgehalten. Hier lesen Sie mehr dazu.

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