Robert Habeck: Atomkraft? Wenn’s sein muss


Der politische Druck war hoch, die Laufzeiten zu verlängern. Doch der Wirtschaftsminister will erst mal abwarten. Zwei der drei verbliebenen AKW sollen eine Einsatzreserve bilden. Sie sollen nur in einem unwahrscheinlichen Notfall weiterlaufen. Dann im vieldiskutierten Streckbetrieb. Doch bevor sich Habeck dafür entscheidet, will er erst mal sehen, wie schlimm es im Winter wirklich wird.Habecks Auftritt und seine Interpretation des Stresstests dürften den Streit in der Koalition über die Atomkraft nur noch weiter angefacht haben. Denn dem Koalitionspartner FDP geht das alles nicht weit genug. Gelöst ist damit gar nichts – auch nicht die Frage, ob es nun einen Streckbetrieb gibt oder nicht.Die schwierige Entscheidung wird also nur vertagt. Oder verschleppt, je nachdem, wie man es sieht.

Atomkraft? Wenn’s sein muss

Das Ergebnis des zweiten Stresstests lautet so: Die beiden süddeutschen Kraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim sollen in einem Notfall zur Verfügung stehen. Bis April 2023 sollen sie bereitstehen, um wieder Strom zu produzieren, wenn es hart auf hart kommt.In der Sprache von Habecks Wirtschaftsministerium heißt es, dass lediglich “stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 22/23 zwar sehr unwahrscheinlich sind, aktuell aber nicht vollständig ausgeschlossen werden können”. Im Fall der Fälle könnten die Werke dann kurzfristig hochgefahren werden, sagt Habeck. Binnen einer Woche. Habecks Stresstest: “Stundenweise krisenhafte Situationen” (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen)Ob das nötig wird, könne sich schon Ende des Jahres abzeichnen, vielleicht aber auch erst später, zumindest wenn es nach Habeck geht. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung wäre damit also: ungeklärt. Doch wenn die Entscheidung für einen Weiterbetrieb einmal gefallen ist, sollen sie laufen, bis die Brennstäbe aufgebraucht sind. Auch das macht Habeck klar. Denn ganz kurzfristig an- und ausschalten – das funktioniert bei Atomkraftwerken nicht, anders etwa als bei Gaskraftwerken.Ein Vertreter der Übertragungsnetzbetreiber gibt dann auch auf Nachfrage zu erkennen, dass man sich gewünscht hätte, frühzeitig Klarheit zu haben, ob es einen Streckbetrieb gibt oder nicht. Die Entscheidung des Ministeriums, sagt er dann, “nehmen wir jetzt zur Kenntnis”. Klar ist in Habecks Plan nur eines: Das dritte AKW, im niedersächsischen Emsland, soll zum 31. Dezember abgeschaltet werden – so wie es vor der gegenwärtigen Krise mit Gasknappheit und steil steigenden Strompreisen geplant worden war.

Habecks Botschaft an die Grünen

Ich halte am Atomausstieg fest, das war eine zentrale Botschaft Habecks, gerichtet vor allem an seine Grünen. Zuvor hatte er in der Energiekrise mehrfach mit den Positionen seiner eigenen Partei gebrochen.

Leave a Comment